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    Digitalisierung im Event-Vertrieb: Der 90-Tage-Plan für Locations

    Wie ihr euren Sales-Prozess in drei klaren Etappen digital aufsetzt – ohne Big-Bang, ohne Berater, ohne IT-Projekt.

    Fabian Lau
    Fabian Lau
    Gründer beevent
    12 Min. Lesezeit
    DIGITALISIERUNG · EVENT-VERTRIEB90Tagevom Status quo zur digitalen AngebotsstreckeTag 1Tag 30Tag 60Tag 90AnalyseUmsetzungSkalierungPHASENPLAN · 3 X 30 TAGEbeevent · WISSEN

    Digitalisierung im Event-Vertrieb heißt: Anfragen, Angebote und Absprachen laufen strukturiert digital ab – statt in E-Mail-Threads, Excel-Listen und WhatsApp-Chats zu versanden. In den meisten Location-Betrieben wird das Thema als IT-Projekt mit sechs Monaten Berater verkauft. Das stimmt nicht. Die 80/20-Version ist in 90 Tagen mit einem klugen Etappenplan machbar – und zwar von einem Team, das nebenher weiter Events verkauft, plant und durchführt. Der Rest dieses Artikels zeigt, wie: welche drei Phasen es braucht, was in jeder Woche konkret passiert, welche Fehler andere schon durchgemacht haben, und was danach kommt. Kein Beratersprech, kein Buzzword-Bingo.

    Abschnitt 1 / 7

    Warum die meisten Digitalisierungs-Versuche scheitern

    Wenn wir mit Locations über bereits gescheiterte Digitalisierungs-Anläufe sprechen, tauchen fast immer drei Muster auf. Sie sehen unterschiedlich aus, führen aber alle an denselben Punkt: viel investierte Zeit, wenig verändertes Tagesgeschäft.

    Der Big-Bang-Ansatz

    Alles auf einmal digital: neuer Konfigurator, neues CRM, neue Function Sheets, neuer Onboarding-Flow für Bestandskunden. Das Team ist in den ersten Wochen euphorisch, kämpft aber gleichzeitig mit fünf neuen Werkzeugen. Nach vier bis sechs Wochen setzt Change-Fatigue ein, die alten Prozesse werden "nur kurz zur Sicherheit" wieder aktiv – und ab Monat vier beginnt der stille Rollback.

    Der IT-Projekt-Ansatz

    Beraterfirma, sechsstelliger Vertrag, ein 80-seitiges Konzeptdokument. Zwei Jahre später gibt es viel Dokumentation und wenig Nutzung. Der Sales-Prozess läuft weiter über die drei Postfächer, die schon vorher da waren – nur dass jetzt zusätzlich ein System existiert, das eigentlich benutzt werden sollte.

    Der Insellösungs-Ansatz

    Jede Abteilung bekommt "ihr" Tool: Sales pflegt ein CRM, Event-Management arbeitet in einem eigenen Planungstool, die Küche verwaltet Mengen in Excel, die Buchhaltung in einer vierten Software. Keine Integration, keine gemeinsame Datenbasis. Das Datensilo ist nicht verschwunden – es ist nur aus Excel in fünf verschiedene SaaS-Systeme gewandert.

    Die Kern-These für die restlichen 2.500 Wörter dieses Artikels: Digitalisierung funktioniert, wenn sie in klar begrenzten Phasen mit messbaren Zwischenergebnissen läuft. 90 Tage sind lang genug für echte Veränderung, kurz genug für Disziplin. Länger, und der Fokus verwässert. Kürzer, und die Baseline-Messung fehlt.

    Abschnitt 2 / 7

    Phase 1 (Tag 1–30): Analyse und Baseline

    Das Ziel dieser Phase ist unpopulär, aber unverzichtbar: verstehen, wo die Reibung wirklich sitzt. Nicht raten, sondern messen. Wer diese 30 Tage überspringt, kauft Werkzeuge für gefühlte Probleme statt für echte – und wundert sich später, warum die Nutzung ausbleibt.

    Woche 1 – Anfrage-Kanäle inventarisieren

    Nehmt euch die letzten zwölf Monate vor und zählt: Wie viele Anfragen kamen wie rein – E-Mail, Telefon, Website-Formular, LinkedIn, Weiterempfehlung? Wie hoch die Conversion pro Kanal? Es reicht eine ehrliche Excel-Liste. Wichtig ist nicht Präzision auf zwei Nachkommastellen, sondern die Größenordnung. Wenn 70 % der Anfragen per E-Mail an ein zentrales Postfach gehen, ist das der Kanal, den ihr zuerst adressiert – nicht das Formular auf der Webseite, das kaum benutzt wird.

    Woche 2 – Kommunikations-Audit

    Alle Event-Manager tracken eine Woche lang mit einem einfachen Zeittracking, wofür ihre Arbeitszeit draufgeht: neue Anfragen, laufende Events, interne Abstimmung, Zettelwirtschaft (also Dinge, die weder Sales noch Kundenbindung sind: PDFs raussuchen, Mails weiterleiten, Excel-Zeilen abgleichen). Ein Google-Sheet mit vier Spalten reicht. Nach fünf Tagen habt ihr ein sehr ehrliches Bild.

    Woche 3 – Angebots-Analyse

    Wie viele Angebote schreibt euer Team pro Monat? Wie lange dauert eins von der Anfrage bis zum Versand durchschnittlich? Wie viele werden angenommen? Der zweite Wert – die Cycle-Time – ist der interessanteste. Locations, die schneller antworten, gewinnen erfahrungsgemäß Anfragen, selbst wenn sie preislich nicht die günstigsten sind.

    Woche 4 – Function-Sheet-Analyse

    Wie viele Detailabsprachen fallen pro Event an? Auf wie vielen Kanälen verteilt (E-Mail, WhatsApp, Telefon, PDFs, Excel)? Ein durchschnittliches mittelgroßes Event bringt in vielen Häusern 40–80 einzelne Kommunikationsvorgänge mit sich. Wenn ihr das erste Mal ausrechnet, wie viele es bei euch sind, entsteht meist eine gesunde Betroffenheit im Team.

    Was am Ende von Tag 30 stehen sollte

    • Eine Baseline mit fünf Kennzahlen: Anfragevolumen, Angebots-Cycle-Time, Conversion-Rate, E-Mails pro Event, Zeit pro Event-Manager pro Woche.
    • Ein klares Bild, welche zwei bis drei Prozesse den größten Hebel haben – meist eine Kombination aus Anfragestrecke und Detailabsprachen.
    • Kein Tool-Kauf. Nichts. Nur Wissen. Wer in Phase 1 schon die Kreditkarte zückt, kauft für ein Problem, das er noch nicht sauber beschrieben hat.
    Abschnitt 3 / 7

    Phase 2 (Tag 31–60): Umsetzung der ersten Werkzeuge

    Jetzt kommt der Teil, den viele Teams am liebsten sofort gemacht hätten: Werkzeuge einführen. Das Ziel bleibt eng gefasst – die zwei größten Reibungspunkte aus Phase 1 adressieren, nicht fünf. Alles darüber verbrennt Team-Kapazität, ohne die Adoptionsquote proportional zu steigern.

    Woche 5–6: Anfrageprozess digitalisieren

    Wenn Anfragen bislang per Kontaktformular ohne Struktur ins zentrale Postfach fallen und dort in einen Excel-Tracker übertragen werden, ist hier der erste Hebel. Ein strukturierter Eventkonfigurator nimmt Anfragen direkt in der Form auf, in der euer Team sie bearbeiten kann: mit Datum, Personenzahl, Raumwunsch, Cateringrahmen, Budget-Indikation. Was vorher ein Ping-Pong-Thread mit drei Nachfragen war, ist jetzt eine saubere Eingangsanfrage.

    Woche 7–8: Detailabsprachen strukturieren

    War Function-Sheet-Chaos der zweite Hauptreibungspunkt aus Phase 1, kommt jetzt der Digitale Event Manager zum Einsatz: Detailabsprachen laufen strukturiert im geteilten Planungsraum ab, statt in E-Mail-Threads mit wechselnden Anhängen. Küche, Service, Technik und Kunde sehen dieselben aktuellen Informationen – kein "Reply-All-Vergessen", keine PDF-Version-04-final-neu.

    Kritischer Punkt: In dieser Phase wird nichts "ganz umgestellt". Das Ziel ist ein Pilot für 20–30 % der Events, mit einem Team-Champion pro Werkzeug. Alle anderen Events laufen weiter im alten System. Das fühlt sich unsauber an – ist aber der einzige Weg, der in der Praxis durchhält.

    Champion-Auswahl – der stille Erfolgsfaktor

    Ein Team-Champion pro Werkzeug ist Pflicht, und der Champion ist explizit nicht der Chef. Es ist die Person, die im Alltag mit dem Werkzeug arbeitet, dessen Grenzen und Abkürzungen findet und ihre Erfahrung an das restliche Team weitergibt. Der Chef entscheidet, dass digitalisiert wird – der Champion sorgt dafür, dass es passiert.

    Was am Ende von Tag 60 stehen sollte

    • Zwei Werkzeuge in Produktion für ein Drittel der Events.
    • Ein Team-Champion pro Werkzeug, benannt und mit Rückhalt der Geschäftsführung.
    • Erste Zahlen aus dem Piloten: Wie viel Zeit spart der Konfigurator tatsächlich pro Anfrage? Wie viele E-Mails weniger fallen pro Event im geteilten Planungsraum an?
    Abschnitt 4 / 7

    Phase 3 (Tag 61–90): Skalierung und Team-Rollout

    Aus dem Piloten wird jetzt ein Standard-Prozess. Diese Phase ist psychologisch die anstrengendste, weil sie den Punkt enthält, an dem das alte System bewusst abgeschaltet wird – und weil das restliche Team, das bislang zuschauen durfte, jetzt selbst dran ist.

    Woche 9–10: Team-Rollout

    Alle verbleibenden Team-Mitglieder werden auf die neuen Werkzeuge geschult. Nicht per E-Mail-Newsletter, sondern als 90-Minuten-Session mit Live-Demo und einer ersten eigenen Anfrage im System, die die Person live von der Anfrage bis zum Angebot durchspielt. Wer nach dieser Session eine eigene Anfrage bearbeitet hat, wird das Werkzeug tatsächlich benutzen. Wer nur eine Präsentation gesehen hat, wird zurück zu den alten E-Mail-Ordnern gehen, sobald es hektisch wird.

    Woche 11: Alte Prozesse abschalten

    Der psychologisch schwerste Schritt. Die E-Mail-Postfächer, die für Anfragen genutzt wurden, bekommen eine Auto-Response mit dem Link zum Eventkonfigurator. WhatsApp-Nummern für Kundenkommunikation werden kommuniziert als "nur noch für Notfälle" – bestenfalls mit einer Bounce-Nachricht, die höflich auf den geteilten Planungsraum verweist. Diese Woche wird begleitet werden, weil einzelne Bestandskunden protestieren werden. Das ist normal, hält aber selten länger als zehn Tage.

    Woche 12: Metriken re-messen

    Die fünf Baseline-Kennzahlen aus Phase 1 werden nochmal aufgenommen – gleiche Methode, gleiche Definition. Der Vergleich ist der Beweis, dass sich etwas geändert hat, und der entscheidende Baustein für die interne Kommunikation. Ohne diese Vorher-Nachher-Zahl ist die 90-Tage-Umstellung ein subjektives "es fühlt sich besser an" – mit ihr eine Investitionsentscheidung mit belastbarem Ergebnis.

    Abschnitt 5 / 7

    Was nach Tag 90 kommt

    Nach 90 Tagen ist die Basis gelegt, aber nicht das Ende erreicht. Der Digitalisierungs-Muskel im Team ist antrainiert – jetzt könnt ihr in Halbjahres-Rhythmen weitermachen, ohne wieder bei null anzufangen. Vier Themen füllen erfahrungs­ gemäß die nächsten sechs Monate:

    • CRM-Integration. Anfragen aus dem Konfigurator fließen automatisch in HubSpot, Salesforce oder ein leichteres CRM wie Pipedrive. Damit werden Sales-Aktivitäten messbar, nicht nur Sales-Ergebnisse.
    • Yield Management. Dynamische Preise nach Wochentag, Saison und Vorlaufzeit sind der nächste logische Schritt, sobald der Konfigurator läuft und Anfragedaten sauber gesammelt werden. Der komplette Einstieg mit Praxisbeispielen steht im Artikel zu Yield Management für Eventlocations.
    • Reporting-Automation. Wenn Function Sheets strukturiert vorliegen, lassen sich Forecasts für Küche, F&B und Technik automatisieren – aus Daten, die sowieso im System liegen, statt aus manuellen Excel-Runden am Freitagnachmittag.
    • Team-Wachstum. Der digitale Sales-Prozess ermöglicht mehr Events pro Event-Manager. Das ist keine Selbstverständlichkeit – es ist ein direkter Effekt davon, dass Detailabsprachen strukturiert statt fragmentiert laufen. Wer wächst, ohne diesen Prozess aufzuräumen, wächst in ein größeres Chaos.
    Abschnitt 6 / 7

    Typische Stolpersteine

    Fünf konkrete Warnungen aus Gesprächen mit Locations, die den 90-Tage-Plan durchgezogen haben – oder ihn abgebrochen haben und nochmal starten mussten.

    1. Zu wenig Team-Buy-in

    Wenn der Champion nicht selbst überzeugt ist, scheitert der Pilot. Ein Champion, der die Rolle "aufgedrückt bekommt", wird das Werkzeug pflichterfüllend nutzen, aber nicht begeistert weitertragen. Wählt ehrlich aus – zur Not lieber zwei Wochen warten, bis die richtige Person Kapazität hat.

    2. Zu viel Tool auf einmal

    Zwei Werkzeuge in 90 Tagen sind das Maximum. Mehr wird nicht adoptiert – die Aufmerksamkeitskurve des Teams gibt es einfach nicht her. Wer drei Werkzeuge einführen will, plant besser einen zweiten 90-Tage-Zyklus im Anschluss.

    3. Zu wenig Kundenkommunikation

    Bestandskunden müssen wissen, dass sich der Prozess ändert. Sonst irritieren die neuen Formularmails ("was ist das plötzlich für ein Link?"), und die persönliche Beziehung, die sich eure Kunden bei euch gekauft haben, wirkt auf einmal distanziert. Eine kurze Ankündigung – "wir arbeiten ab dem X mit einem neuen Konfigurator, damit wir schneller antworten können" – reicht in den meisten Fällen.

    4. Zu enges Zeitfenster für Piloten

    30 Tage Pilot mit 20 % der Events reicht für erste Signale, aber nicht für Repräsentativität. Zwei Monate Pilot vor dem vollen Rollout ist besser – gerade in Häusern mit stark unterschiedlichen Event-Typen (Firmenevent, Hochzeit, Gala, Tagung), die alle andere Ansprüche an den Prozess haben.

    5. Fehlende Baseline-Messung

    Wer nicht gemessen hat, wie es vorher war, kann nicht beweisen, dass es besser wurde. Und ohne diesen Beweis verpufft die Motivation im Team, sobald der erste stressige Monat kommt. Die Baseline aus Phase 1 ist nicht Bürokratie – sie ist die Versicherung für die Momente, in denen jemand fragt "haben wir das nicht früher schneller hinbekommen?".

    Abschnitt 7 / 7

    TL;DR – Kurzantwort für schnelle Leser

    Auf einen Blick

    Digitalisierung im Event-Vertrieb funktioniert in 90 Tagen, wenn ihr sie in drei Phasen aufteilt: Analyse und Baseline in den ersten 30 Tagen, gezielte Werkzeug-Piloten in Tag 31–60, Skalierung und Alt-Prozess-Abschaltung in Tag 61–90. Der häufigste Fehler ist, alles gleichzeitig umstellen zu wollen. Zwei Werkzeuge pro 90-Tage-Zyklus sind das Maximum.

    FAQ

    Häufige Fragen

    Wie viele Werkzeuge sollten wir gleichzeitig einführen?

    Maximal zwei pro 90-Tage-Zyklus. Alles darüber verbrennt Team-Ressourcen und Change-Kapazität. Wer mehr digitalisieren will, plant einen zweiten 90-Tage-Zyklus im Anschluss – der geht dann schneller, weil der Digitalisierungs-Muskel im Team antrainiert ist.

    Brauchen wir einen externen Berater für Digitalisierung?

    In den meisten Fällen nicht. Ein interner Team-Champion pro Werkzeug plus ein klarer Etappenplan reichen. Externe Berater sind sinnvoll bei komplexen Integrationen (zum Beispiel Anbindung an Opera oder Protel im Hotelbetrieb), nicht für den Vertriebsprozess selbst.

    Was, wenn unser Team gegen Digitalisierung ist?

    Team-Widerstand ist meist Angst vor Mehrarbeit oder Kompetenzverlust. Klare Kommunikation – die Werkzeuge sparen euch Zeit, ersetzen euch nicht – plus ein sichtbarer Champion lösen das in den meisten Fällen. Wenn der Widerstand danach immer noch da ist, steckt ein anderes Problem dahinter, das durch Digitalisierung nicht gelöst wird.

    Können wir Digitalisierung auf einzelne Event-Typen beschränken?

    Ja, und für den Einstieg ist das oft klug. Firmen-Events und Tagungen sind meist strukturierter und lassen sich schneller digitalisieren als Hochzeiten. Der Pilot kann sich bewusst auf ein Segment konzentrieren – und liefert dabei sauberere Baseline-Daten, weil weniger Sonderfälle das Bild verwaschen.

    Was kostet die Digitalisierung insgesamt?

    In der Regel zwischen 200 und 800 Euro pro Monat für Werkzeuge, plus etwa 40 Stunden internes Team-Investment über die 90 Tage. Beratungskosten sind je nach Komplexität zusätzlich, aber für die meisten Locations nicht nötig. Der ROI kommt aus der Zeitersparnis pro Event, die über die Baseline-Messung in Phase 1 und die Re-Messung in Woche 12 nachweisbar wird.

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